
Der Grubenhund kann als der
österreichische Bruder der Ente gelten. Der Begriff geht auf
den Wiener Ingenieur und Publizisten Arthur Schütz zurück.
Er hatte sich 1911 über die Berichterstattung der „Neuen
Freien Presse“ geärgert, die ein kleines Erdbeben ungeheuer
aufgebauscht und auch die belanglosesten Leserbriefe
abgedruckt hatte. Schütz schrieb daraufhin allerlei
technischen Unsinn in der Form eines Erdbebenberichts
zusammen und schickte ihn an die Zeitung. Tatsächlich wurde
der Bericht einen Tag später abgedruckt. Darin hieß es unter
anderem:
„Völlig unerklärlich ist
jedoch die Erscheinung, dass mein im Laboratorium
schlafender Grubenhund schon eine halbe Stunde vor Beginn
des Bebens auffallende Zeichen größter Unruhe gab.“ Hierzu
muss man wissen, dass ein „Grubenhund“ in der
Bergwerksprache für einen flachen Rollwagen steht, der im
Bergwerk den Abraum auf Schienen abtransportiert.
Das Ziel der Verfasser von
Grubenhunden unterscheidet sich von dem der Ente. Mit einem
Grubenhund soll den Medien bewusst die Schranken ihrer Macht
und ihres Wissens aufgezeigt werden. Ein Grubenhund hat
somit eine Art medienpädagogische Funktion.
Um zu überprüfen, wie die Medien mit Informationen aus dem
Internet umgehen, führte ein Eichstätter
Journalistik-Student im letzten Jahr im Rahmen seiner
Diplomarbeit ein Experiment durch. Ausführlich berichtet
darüber Message 2/2005. Der Student verfasste einen
Grubenhund und wollte sehen, ob die Falschmeldung über das
Internet einfach und schnell in die Medien geschleust werden
kann. In der Meldung hieß es, dass Genforscher des Münchner
Arthur-Schütz-Instituts in der menschlichen DNS ein Gen
nachgewiesen haben, das maßgeblich das Sexualverhalten
steuert.
Das Gen ISA enthalte detaillierte Informationen darüber,
welche Menschen uns sympathisch sind. Außerdem gab es einen
Link zur Internetseite des angeblichen Instituts (www.asi-forschung.de).
Im Impressum der Website waren verschiedene E-Mail-Adressen
und eine 0180er-Telefonnummer („Hotline für Journalisten“)
angegeben – diese Kontaktinfos standen auch in der
Pressemitteilung. Die Nachricht sollte auf den ersten Blick
schlüssig klingen, musste aber auch einige Ironiezeichen und
logische Fehler enthalten, um dem Journalisten die
Möglichkeit zu geben, den Fake zu erkennen, sobald die
Minimalanforderungen der journalistischen Recherche erfüllt
werden.
Die Pressemitteilung wurde an rund 1.500 Redaktionen und
Agenturen per E-Mail verschickt. Der Student hatte im
Anschluss daran generell auf Anfragen per E-Mail oder
Telefon verzichtet. Dennoch hat es die Meldung vom Sex-Gen
ISA geschafft, in mindestens drei Medien ungeprüft
veröffentlicht zu werden („Hessische/Niedersächsische
Allgemeine“, „Thüringische Landeszeitung“, medizinische
Fachpublikation „Die P.T.A. in der Apotheke“). Andere Medien
hatten den Fake jedoch schon aufgeklärt, als das Experiment
noch im Feld war.
Ausgehend von den Ergebnissen des Experiments und späteren
Befragungen kam der Student zu dem Ergebnis, dass deutlich
mehr online als offline recherchiert wird. Denn: Wesentlich
mehr Journalisten besuchten die Website als versuchten, mit
dem Arthur-Schütz-Institut Kontakt aufzunehmen. Auch die
Online-Befragung ergab, dass viele Journalisten im Internet
vergeblich nach Verweisen auf das Institut suchten. Die
Vermutung, dass die verstärkte Online-Recherche zu einer
Anhäufung von Fakes in den Medien führt, konnte widerlegt
werden.
Quelle und weiterführende
Literatur:
Haller, Michael (2000): Fakes. Wenn Grubenhunde bellen. In:
Message 3/2000.